Softwareentwicklung hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Früher haben Entwickler stundenlang in komplizierten Codezeilen verweilt. Heute helfen Cloud-Dienste, moderne Frameworks und vor allem künstliche Intelligenz dabei, schneller ans Ziel zu kommen. In diesem Umfeld ist ein neuer Begriff entstanden, der für Gesprächsstoff sorgt: Vibe-Coding.
Dabei geht es um eine lockere, kreative und intuitive Art zu programmieren. Statt alles im Detail durchzuplanen, wird einfach losgelegt. Man probiert Dinge aus, lässt sich inspirieren und schaut, was funktioniert. KI-Tools wie ChatGPT, GitHub Copilot oder Cursor unterstützen dabei und schlagen direkt Code vor. Der Fokus liegt weniger auf perfekter Struktur und mehr auf dem Flow. Also darauf, im kreativen „Vibe“ zu bleiben.
In diesem Blog schauen wir uns an, was genau Vibe-Coding ist, welche Vorteile und Nachteile es hat, wie es sich von klassischer Entwicklung unterscheidet und wie dieser Ansatz die Zukunft der Softwareentwicklung beeinflussen könnte.
Was ist Vibe-Coding?
Vibe-Coding beschreibt eine Programmierweise, bei der Entwickler stark auf ihr Bauchgefühl setzen. Anstatt lange Konzepte zu schreiben, wird direkt ausprobiert. Eine Idee kommt auf, man tippt sie als Prompt in ein KI-Tool und schon erscheint der passende Code. Wenn etwas nicht funktioniert, wird es angepasst oder verworfen.
Die KI übernimmt dabei einen grossen Teil der Arbeit:
Sie generiert Funktionen, erklärt Fehler, schlägt Verbesserungen vor oder optimiert bestehenden Code. Dadurch fühlt sich Programmieren weniger technisch und mehr kreativ an. Man kann sich stärker auf die eigentliche Idee konzentrieren, statt sich in Syntax und Details zu verlieren.
Typisch für Vibe-Coding sind:
- spontanes Arbeiten ohne festen Plan
- schnelle Experimente
- intensiver Einsatz von KI-Tools
- Fokus auf Kreativität
- Lernen durch Ausprobieren
- häufiges Refactoring
- lockere Arbeitsweise
Besonders beliebt ist dieser Stil bei Start-ups, kreativen Projekten oder Hobby-Programmierern. Hier zählt vor allem, schnell Ergebnisse zu sehen und nicht perfekte Architektur. Auch bei kleinen Nebenprojekten ist Vibe-Coding weit verbreitet.
Ein typisches Szenario:
Jemand möchte eine kleine To-do-App bauen. Statt erst UML-Diagramme zu zeichnen, schreibt man:
„Erstelle mir eine einfache To-do-App mit React“ und arbeitet sich Schritt für Schritt voran.
Vorteile von Vibe-Coding
1. Man ist deutlich schneller
Dank KI geht vieles ruckzuck. Funktionen, die früher Stunden gedauert hätten, sind in Minuten fertig. Das ist ideal für Prototypen oder erste Projektideen. Man sieht sofort, ob etwas funktioniert oder eben nicht.
Gerade in Start-ups kann das ein grosser Vorteil sein: Schnell testen, Feedback sammeln und verbessern.
2. Einfacher Einstieg
Vibe-Coding macht das Programmieren für viel mehr Menschen zugänglich. Auch ohne Informatikstudium kann man mit KI funktionierende Anwendungen bauen. Designer, Schüler oder Unternehmer können eigene Ideen umsetzen, ohne jede Programmiersprache auswendig zu lernen.
Das senkt die Einstiegshürde enorm und fördert Innovation.
3. Mehr Kreativität
Weniger Technik, mehr Ideen.
Da man sich nicht ständig mit Fehlern oder komplizierter Syntax aufhält, bleibt mehr Raum für kreative Lösungen. Das Arbeiten fühlt sich freier und spielerischer an.
4. Lernen nebenbei
Beim Arbeiten mit KI lernt man automatisch dazu.
Man sieht Beispiele, bekommt Erklärungen und versteht nach und nach, wie Dinge funktionieren. Vibe-Coding ist also auch eine gute Lernmethode, vor allem für Anfänger.
Man kann gezielt nachfragen:
„Warum funktioniert das?“
„Kannst du mir das einfacher erklären?“
So wird die KI zum persönlichen Tutor.
5. Flexibel bleiben
Änderungen lassen sich schnell einbauen. Man passt den Prompt an und schon kommt neuer Code. Perfekt für dynamische Projekte oder kreative Experimente.
6. Motivation steigt
Schnelle Erfolge motivieren.
Wenn man innerhalb kurzer Zeit sichtbare Ergebnisse hat, bleibt man eher dran. Das ist besonders wichtig für Einsteiger oder bei kleinen Nebenprojekten.
Nachteile von Vibe-Coding
1. Qualität leidet meistens
KI-Code funktioniert zwar oft, ist aber nicht immer sauber geschrieben. Ohne Kontrolle schleichen sich schnell Fehler, ineffiziente Lösungen oder unsichere Stellen ein.
2. Chaos im Projekt
Ohne Planung kann der Code schnell unübersichtlich werden.
Was am Anfang noch kreativ war, wird später schwer wartbar.
3. Abhängigkeit von KI
Wer sich zu sehr auf KI verlässt, verlernt vielleicht Grundlagen. Das kann langfristig problematisch sein, vor allem im Berufsleben.
4. Debugging wird anstrengend
Wenn man nicht mehr genau weiß, was der Code eigentlich macht, wird Fehlersuche kompliziert.
Man versteht den eigenen Code nicht mehr vollständig.
5. Sicherheitsprobleme
KI denkt nicht immer an Sicherheit.
Ohne Prüfung können Sicherheitslücken entstehen, die später ausgenutzt werden.
6. Falsches Vertrauen
KI klingt oft sehr überzeugt, liegt aber auch viel falsch. Wer alles blind übernimmt, riskiert Fehler im System.
Vergleich zur klassischen Entwicklung
Traditionelle Softwareentwicklung folgt meist klaren Strukturen:
- Anforderungen sammeln
- Planung
- Architektur
- Umsetzung
- Tests
- Dokumentation
Dieser Ansatz sorgt für stabile und langfristig wartbare Systeme, vor allem in grossen Unternehmen oder sicherheitskritischen Bereichen wie Banken oder Medizinsoftware.
Vibe-Coding funktioniert ganz anders.
Hier steht das schnelle Ausprobieren im Vordergrund. Ideen werden direkt umgesetzt, ohne lange Vorbereitungsphase. Es erinnert an kreatives Schreiben oder Musik machen: Man startet einfach und schaut, wohin es führt.
Beide Ansätze haben ihre Stärken:
| Klassisch | Vibe-Coding |
| strukturiert | kreativ |
| stabil | schnell |
| wartbar | flexibel |
| gut für grosse Projekte | gut für Prototypen |
In der Praxis werden diese Methoden immer häufiger kombiniert: Erst kreativ loslegen, später strukturieren und optimieren. Ein gutes Beispiel ist die App-Entwicklung: Mit Vibe-Coding entsteht schnell ein erster Prototyp. Wenn die Idee überzeugt, wird der Code anschliessend professionell überarbeitet.
Blick in die Zukunft
KI wird immer besser
In absehbarer Zeit könnte die KI nicht nur Codes schreiben, sondern ganze Programme entwerfen, testen und optimieren. Vielleicht reicht bald ein einziger Prompt für komplette Apps.
Neue Rollen entstehen
Entwickler werden mehr zu:
- Ideengebern
- Prompt-Designern
- Qualitätsprüfern
- Architekten
Gute Prompts zu schreiben könnte wichtiger werden als perfekte Syntax.
Jeder kann programmieren
Vibe-Coding macht Softwareentwicklung für alle zugänglich.
Mischung aus beidem
Erst kreativ mit Vibe-Coding, danach strukturiert verbessern, das könnte der Standard werden.
Fazit
Vibe-Coding zeigt, wie sehr sich Programmieren verändert. Es ist schneller, kreativer und für mehr Menschen zugänglich. Gleichzeitig darf man Risiken wie schlechte Codequalität oder Sicherheitsprobleme nicht unterschätzen.
Am Ende geht es um Balance:
Kreativität plus technische Disziplin.
Wenn beides zusammenkommt, kann Vibe-Coding die Softwarewelt nachhaltig verändern.





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Geschrieben von
Lian Eifert
Content Services Developer
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